Bericht eines Westfalkenberger Spähers
5. Wonnemond: Mussten Beobachtungsposten aufgrd. v. erhöhter Patrouillenakt. noch weiter landeinwärts verlegen. Wichen wiederholt weiteren eintreff. Verbänden aus, 80 Obed., 50 Obed., 130 Unt.
6. Wonnemond: Straße gut einsehbar: 30 Obed., 60 Obed., 40 Sold. & 5 Todesr., nachts Unt. & 6 Magier (Nekr.?), Lichter vom Fluss. Feindl. Aktionen bei Trotzlingen?
Bericht eines Westfalkenberger Spähers vom Ostufer des Nekkander, per Brieftaube
Aus dem Lagebericht der III. Brigade „Über den Tod hinaus“
[…] verstärken sich die Aktivitäten der Rebellen seit Beginn des Jahres. Obwohl der Nekkander in der kalten Jahreszeit bekanntlich besonders schwierig zu überqueren ist, nahm die Anzahl an versuchten Überquerungen stark zu: jeweils einer bei Golldorf, Brechrath und Moorbeuch, zwei bei Halding und sieben (!) bei Trotzlingen. In der Regel scheinen es einfache Spionageunternehmungen zu sein, und ein feiger nächtlicher Überfall auf unseren Grenzwachturm gegenüber von Trotzlingen, bei dem drei Soldaten getötet wurden und zwei weitere verletzt wurden, bildet den Höhepunkt des gegnerischen Mutes. Als Reaktion wird der Turm ab sofort nachts von Untoten besetzt (darunter die drei Verstorbenen). […] sind uns keine unbemerkten Überquerungen bekannt. [...] nur kleinere Gruppen von bis zu zehn Mann. Eine Überquerung des Flusses mit größeren Verbänden muss auch der Gegner nach wie vor als aussichtslos beurteilen. […]
Waffenlieferung
Zu Händen des Königlichen Schatzkanzlers Ulbertin,
wir freuen uns, Euch mitteilen zu dürfen, dass die gewünschten Waren fertiggestellt und auf dem Weg nach Trotzlingen sind. Hier eine endgültige Aufstellung:
830 Langschwerter, 90 Morgentrag (Mtg.) pro Stück, 74700 Mtg.
2150 Dolche, 40 Mtg. pro Stück, 86000 Mtg.
300 Axtköpfe (klein), 20 Mtg. pro Stück, 6000 Mtg.
80 Axtköpfe (groß), 30 Mtg. pro Stück, 2400 Mtg.
10300 Pfeilspitzen, 2 Mtg. pro Stück, 20600 Mtg.
Gesamtsumme: 189700 Mtg.
Die Zunft der Rüstungsschmiede wird ihren Auftrag ebenfalls innerhalb der nächsten zwei Wochen abschließen und in Rechnung stellen.
Wir sind geehrt, einen so bedeutenden Beitrag für den Kampf des Wahren Königs zu erbringen. Dennoch sind viele unserer Meister, Gesellen und Lehrlinge von den Gerüchten einer Einberufung zum Kriegsdienst verunsichert. Sicherlich seht auch Ihr, dass für die anhaltende Aufrechterhaltung der Kampfeskraft Westfalkenbergs die fachmännische Herstellung von Waffen unabdinglich ist. Insofern wäre es unsinnig, gerade solche Handwerker einzuziehen, die sich auf die Herstellung von Waffen verstehen. Wir sind uns sicher, dass Euer Wort in dieser Sache beim König hohes Gewicht haben wird.
Dem König aufs Treuste ergeben,
Petir Desmolt, Großmeister der Waffenschmiedezunft zu Itaris
Mobilmachung
An Ihre Hochgeboren Baronesse Wenna von Blutreben,
wie Ihr aus den Ankündigungen vom Spätsommer wisst, plant Seine Majestät im Frühjahr dieses Jahres einen großen Schlag gegen den Usurpator und Nekromanten Eldalin IV. Daher seid Ihr als treuer Vasall aufgefordert, Euch bis zur ersten Maiwoche mit Euren Getreuen im Königlichen Heerlager bei Trotzlingen in Wasserfeld einzufinden.
Basierend auf dem letzten Zensus von 1005 erwartet Ihre Majestät von Euch
- 80 Ritter,
- 300 Mann schwere Infanterie,
- 600 Mann leichte Infanterie,
- 200 Bogenschützen
sowie genug Knechte und Vorräte, um diese in den ersten vier Wochen zu versorgen.
Großen Ruhm erwartet diejenigen, die Falkenberg seinen gerechten Frieden bringen!
Erwartungsvoll verbleiben Wir,
Baron Norl von Hohengrund, Generalstab
Ostfalkenberger Wirtschaftssystem überlegen?
[…] wie wir von unseren Spionen auf den westfalkenberger Märkten wissen. Wenn man die Wirtschaftsleistung anhand der landwirtschaftlichen Produktion abschätzt, die sich sehr leicht von der Warenverfügbarkeit auf den städtischen Wochenmärkten ableiten lässt, dann wird das Scheitern des westlichen Wirtschaftssystems offenbar. Verglichen mit den Vorkriegszahlen gab es im Herbst letzten Jahres 23% weniger Getreide, 34% weniger Käse und ganze 65% weniger Pflaumen. Ein solches Scheitern ist nicht allein durch die Folgen des Krieges zu erklären, und noch weniger verständlich, da ein großer Teil des fruchtbaren westfalkenberger Landes ja zwischenzeitlich unter der gerechten und volkswirtschaftlich überlegenen Herrschaft Seiner Majestät standen. Auch wenn einige Herren von der Schwerter-statt-Pflugscharen-Fraktion behaupten, ein solcher Effekt könne auch durch die (heimliche) Kriegsmobilisierung der Landbevölkerung verursacht sein, so bin ich doch der festen Überzeugung, dass dies ein untrügliches Anzeichen für ein Zusammenbrechen des westlichen „Frei“bauernsystems ist und dass unser Umschwung vom Leibeigenen- zum Untotensystem der richtige Schritt war (insbesondere, da Untote keine profane Nahrung benötigen). […]
– Aus „Ein Fluss, zwei Ufer – eine vergleichende Untersuchung des Wirtschaftens auf beiden Seiten des Nekkanders“, druckfrische Ausgabe von 1010
Erkenntnisse über Eldalins Strategie
[…] Gleichzeitig hat die Zerstörung des sogenannten Nekromantieamplifikators, dem magotechnischen Konstrukt, dass es Eldalin ermöglichte, persönlich über große Teile seines untoten Heeres direkt zu befehlen, offenbar zu einem Paradigmenwechsel in der Strategie des Gegners geführt. Wurde damals die Macht noch von zentraler Stelle ausgeübt, wird sie jetzt weiter verteilt und delegiert. Die Ausbildung von „Hilfsnekromanten“ wird mit großem Eifer vorangetrieben (vgl. Einschreibungslisten im Anhang). Diesen wird dann, je nach Fähigkeit, der Befehl über kleinere Truppenkontingente übergeben. […] Dabei wird Eldalins alte Angst vor Verrat durch mehrere Mechanismen mitigiert: Durch eine starke Hierarchisierung der Befehlsstrukturen werden strenge Kontrollen etabliert, und durch eine starke Parzellierung der Macht direkt unterhalb von Eldalin wäre es schwierig für einen Gegner, durch einen Putsch o. ä. schnell große Bereiche des Heeres zu übernehmen. […] Mögliche Schwachstellen ergeben sich durch den höheren Verwaltungsaufwand und wesentlich langsamere und störungsanfälligere Kommunikation. […] scheint jetzt ein „Teile und Herrsche“-Ansatz zum ersten Mal wieder erfolgsversprechend zu sein. Dezentral geführte Truppenverbände lassen sich wesentlich leichter voneinander trennen und einzeln vernichten. Noch vor wenigen Jahren wäre das kaum möglich gewesen. […] muss man davon ausgehen, dass unsere damaligen Erfolge, dem Gegner mit kleinen, handstreichartig agierenden Verbänden entscheidende Schläge zu versetzen, kaum noch möglich sein wird, da der Gegner es erfolgreich vermeidet, solche kritische Schwachpunkte überhaupt zu bilden. [...]
- Aus dem Jahresbericht der Heereskommission Westfalkenbergs
Aufkauf von magischen Metallen
[…] Doch als ich in Maheda ankam, erwartete mich eine Überraschung: Madjid Sikander, von dem ich all die Jahre das Nidarium bezogen hatte, war ausverkauft. Man stelle sich vor: die ganze Jahresproduktion verschwunden! Und das, obwohl wir eine Übereinkunft hatten! Madjid behauptet, es sei alles ein Missverständnis. Vor einer Woche sei ein anderer Fremder zu ihm gekommen, bleich und blond wie ich, und hätte behauptet, er käme im königlichen Auftrag Falkenbergs.
Zuerst dachte ich, Madjid würde lügen, denn König Eldalin persönlich, mögen die Sterblichen vor Seinem Namen erzittern, hatte mir doch die exklusiven Handelsrechte für Maheda gewährt. Doch dann dämmerte es mir: der Andere musste aus den Westprovinzen kommen, und wie selbstverständlich verbreitet er hier die Lüge, dieser dreckige Ziegenhirte Kennock wäre der rechtmäßige König Falkenbergs! Und wie leichtgläubig die Leute hier sind, dass sie ihm diese Geschichte abnahmen!
Zu kaufen gab es bei Madjid leider nichts mehr, und ich habe die vergangenen zwei Wochen in allen möglichen Winkeln nach Nidarium gesucht, aber es ist kaum noch ein Krümel zu kriegen. Einen Kaufvertrag konnte ich auftreiben, und der ist mit „Sturfeuer“ unterzeichnet. Es scheint also, dass der alte Pfeffersack aus dem Westen persönlich magische Metalle aufkauft – oder zumindest einer seiner Söhne.
Dass Eldalin viel für allerhand magische Artefakte braucht, ist ja bekannt (und der wohl größte Grund für unsere guten Geschäfte), aber was wollen die Rebellen damit? Ist ja nicht so, dass man damit Blumen düngen kann. Und dass diese Ausländer Ost- und Westfalkenberg nicht auseinander halten können, zeigt nur, wie primitiv ihre Hirne sind. […]
- aus einem Brief des ostfalkenberger Fernhändlers Pietrecht, auf unbekanntem Wege in das westfalkenbergische Postsystem gelangt und abgefangen